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Facettengelenksarthrose: Ursachen, Symptome und Therapie


Die Ursachen für eine Facettengelenksarthrose sind multifaktoriell. Durch eine chronische Über-/Fehlbelastung der Facettengelenke bildet sich eine Spondylarthrose aus. Es resultiert eine Höhenminderung der Gelenke, die dann im weiteren Verlauf knöchern auswalzen. Die Hypertrophie der Facettengelenke kann eine Einengung des lateralen Recessus und/oder angrenzenden Neuroforamens bewirken, was wiederum zu einer Nervenwurzelirritation führen kann. Es resultiert ein hartnäckiges Schmerzsyndrom, das sog. „Facettensyndrom“. Im lumbosakralen Bereich wird es für 10-40% der chronischen Rückenschmerzen verantwortlich gemacht.

 

Inhaltsverzeichnis

Ursachen einer Facettengelenksarthrose

Häufige Symptome

Diagnoseverfahren

Therapiemöglichkeiten

Schonende Behandlung mit MRgFUS

Facettengelenksarthrose vorbeugen

 

Ursachen: Was ist eine Facettengelenksarthrose?


Der natürliche Verschleiß der Facettengelenke ist an sich ein normaler Prozess, der nicht zwangsläufig zu Rückenschmerzen führen muss. Kommt es jedoch zu einer verstärkten Arthrose der Facettengelenke oder einer Entzündung, treten in vielen Fällen chronische Rückenschmerzen auf. Diese Schmerzen können schubartig verlaufen.

Eine der häufigsten Ursachen für eine Arthrose der Facettengelenke ist die Fehlbelastung des Rückens, etwa durch einen Bandscheibenvorfall, eine Operation, eine Gefügestörung oder aber eine chronische Fehlstellung des Rückens im Rahmen einer Skoliose. Dadurch kann sich der Verschleißprozess teilweise erheblich beschleunigen. Aber auch Übergewicht oder eine unzureichende Stützmuskulatur können zu einer beschleunigten Abnutzung der Facettengelenke führen.

 

Das Facettengelenk als Stütze der Wirbelsäule


Die Wirbelsäule besteht aus übereinanderliegenden Wirbeln und Bandscheiben. Nach hinten zu bilden die Wirbelkörper einen knöchernen Bogen aus, in dem das Rückenmark bzw. die Spinalnerven verlaufen. Der rechte und linke Wirbelbogen vereinen sich hinter dem Spinalkanal zum Wirbelbogenfortsatz, dem Processus spinosus. Diesen kann man in der Regel ertasten.

Durch die im Wirbelbogen paarig angeordneten Facettengelenke werden das darüber und darunter gelegene Segment der Wirbelsäule miteinander verbunden. Die Facettengelenke greifen ineinander und verbinden die einzelnen Wirbel derart miteinander, dass erst durch die Gelenkverbindungen eine Beweglichkeit der Wirbelsäule hergestellt wird.

Vereinfacht gesagt: Ohne Facettengelenke hätte die Wirbelsäule nur die Funktion eines Stabes, der das Rückenmark und die Spinalnerven schützt. In Abhängigkeit von der Stellung und dem Winkel der Facettengelenke zueinander kann der jeweilige Abschnitt der Wirbelsäule Drehungen sowie Vor- und Rückwärtsbewegungen ausführen. Die Gelenkflächen liegen auf knöchernen Fortsätzen. Die Knorpelschicht der Gelenke sorgt für die nötige Elastizität und Druckminderung bei der Bewegung.

 

Häufige Symptome bei Facettengelenksarthrose


Typischerweise lassen sich zwei Verlaufsformen der symptomatischen Facettengelenksarthrose beobachten:

  1. Belastungsschmerzen: Dabei handelt es sich um Rückenschmerzen, die vor allem bei langem Stehen und Gehen auftreten. Bewegungen der Wirbelsäule können diese Schmerzen noch verstärken.
     
  2. Ruheschmerzen:  In diesem Fall treten die Schmerzen vor allem im Liegen auf – typischerweise nachts. Häufig klagen Patientinnen und Patienten darüber, dass sie durch die Schmerzen kaum eine Nacht durchschlafen können und morgens einen „Anlaufschmerz“ haben. Dieser reduziert sich über den Tag bei anhaltender Bewegung.

 

Im Verlauf der Erkrankung kann es zu Mischbildern der beschriebenen Symptome kommen. Kommt es im Rahmen der hypertrophen Facettengelenksarthrose zu einer Spinalkanal- oder Recessustenose, kann sich durch eine Nervenwurzelkompression eine zusätzliche radikuläre Symptomatik ausbilden.

 

Chronifizierung des Schmerzes


Die Chronifizierung des Schmerzsyndroms findet über die Rückkopplung durch das Schmerzzentrum statt. Es kommt zu Dauerschmerzen. In der Folge vermag der Patient kaum mehr eine schmerzfreie Körperposition zu finden. Das führt schlussendlich zur zunehmenden Immobilisation und chronische Schmerzmitteleinnahme. Am häufigsten ist dabei die untere Lendenwirbelsäule (LWS) und der lumbosakrale Übergang von einer Facettengelenksarthrose betroffen.

Tritt eine Facettengelenksarthrose im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) auf, so äußert sich diese zumeist in starke Nackenschmerzen, die darüber hinaus in den Hinterkopf, in die Oberarme und in den oberen Rücken ausstrahlen.

 

Diagnoseverfahren


Leider sind Überschneidungen mit anderen Erkrankungen der Wirbelsäule fließend. Eine eindeutige Diagnosestellung ist schwierig. Häufig treten in Verbindung mit einer Facettengelenksarthrose auch degenerative Veränderungen der Bandscheibe auf. Deshalb ist es wichtig, die Anamnese, den klinischen Status und die diagnostischen Ergebnisse im Kontext miteinander zu betrachten.

 

Diagnoseverfahren mittels klinischer Untersuchung


Eine Facettengelenksarthrose hat kein typisches klinisches Erscheinungsbild. Eine Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen ist daher schwierig.

Schmerzen, die bei bestimmten Bewegungen der Wirbelsäule auftreten, können auf eine Facettengelenksarthrose hindeuten. Dadurch lässt sich die Erkrankung aber nicht klar von anderen Erkrankungen abgrenzen. Deshalb testet der untersuchende Arzt die Schmerzursache zusätzlich per Druckausübung auf die Facettengelenke des in Bauchlage befindlichen Patienten (Facettenfederungsschmerz). Hierdurch kann eine richtungsweisende Abgrenzung gegenüber anderen Ursachen chronischer Rückenschmerzen erfolgen.

 

Diagnoseverfahren mittels Bildgebung


Generell korreliert das Ausmaß der Facettengelenksarthrose nicht mit den klinischen Beschwerden. Gelingt bei Vorliegen der oben beschriebenen Symptome der Nachweis einer Facettengelenksarthrose mit Hilfe bildgebender Verfahren (Röntgen, CT und MRT), kann die Verdachtsdiagnose auf ein lumbosakrales Facettensyndrom gestellt werden.

 

Diagnostische Blockade


Die sicherste Methode, eine symptomatische Facettengelenksarthrose von anderen Ursachen des Rückenschmerzes abzugrenzen, besteht in der medikamentösen Blockade der sensiblen Innervation. Dieses Verfahren wird in der Regel durchgeführt, wenn die oben genannten Verfahren nicht zu einem klaren Ergebnis kommen.

Unter Röntgen-, Ultraschall- oder CT- Kontrolle wird dabei ein Lokalanästhetikum an die sensiblen Nerven gespritzt. Kommt es zu einer erkennbaren Schmerzlinderung, ist die Diagnose „symptomatische Facettengelenksarthrose“ gesichert. Häufig hält der schmerzlindernde Effekt der medikamentösen Blockade aber nur kurz an. Zur dauerhaften Schmerzlinderung eignen sich andere Methoden, beispielsweise eine Behandlung mit hoch-fokussiertem Ultraschall (MRgFUS).

 

Therapiemöglichkeiten: Was hilft gegen eine Facettenarthrose?


Eine Wirbelsäulenarthrose kann grundsätzlich mit konservativen Möglichkeiten therapiert werden. Neben einer physiotherapeutischen Behandlung mit passenden Übungen zum Aufbau von Bauch- und Rückenmuskulatur bietet sich auch eine medikamentöse Behandlung zur Schmerzlinderung an. In vielen Fällen sind diese Maßnahmen jedoch nicht ausreichend, um die Beschwerden vollständig zu beheben.

 

Lokale Schmerzinfiltration


Dann empfiehlt sich eine gezielte medikamentöse Blockade der sensiblen Nervenfasern im Bereich der Facettengelenke. Die als „Spritzenbehandlung“ oder auch als „lokale Schmerzinfiltration“ bekannte Behandlung muss meist mehrfach wiederholt werden, um das Schmerzsyndrom zu beherrschen oder für den Patienten erträglich zu gestalten.

 

Facettendenervation


Eine Alternative dazu stellt die Facettendenervation dar. Der schmerzleitende Nerv wird dabei mittels Hitze von bis zu 80° Celsius (Thermotherapie) oder Kälte von minus 60° Celsius (Kryotherapie) verödet. Für die Behandlung wird eine Nadel an die Facettengelenke geführt und anschließend die Spitze der Nadel erhitzt oder abgekühlt.

 

Hoch-fokussierter Ultraschall


In unserem Zentrum bieten wir zur Behandlung von Facettengelenksarthrosen das schonende, nicht-invasive MRgFUS-Verfahren an, das ohne Thermosonden auskommt.

MRgFUS steht für „Magnetresonanztomographie-gesteuerte fokussierte Ultraschalltherapie“. Fokussierte Ultraschallwellen werden dabei mit Hilfe des MRT auf die sensiblen Nerven entlang der Facettengelenke ausgerichtet. Durch die Hitzeentwicklung kommt es zur thermischen Denervierung. Die Schmerzleitung wird unterbrochen, wodurch eine Linderung der Rückenschmerzen erreicht wird. Mehr zu den Vorteilen einer MRgFUS-Behandlung erfahren Sie auf unserer entsprechenden Themenseite.

 

Facettengelenksarthrose schonend behandeln mit MRgFUS


Während der Behandlung einer Facettengelenksarthrose mit MRgFUS liegt der Patient im MRT-Gerät. Hierdurch kann der behandelnde Arzt die schmerzhaften Facettengelenke darstellen und die Behandlung überwachen. Das umliegende Gewebe bleibt unversehrt, insbesondere das Rückenmark und die motorischen Nerven. Der Effekt der Schmerzlinderung tritt in der Regel sofort oder innerhalb von wenigen Tagen nach der Behandlung ein.

Zur Indikationsstellung einer MRgFUS-Behandlung der Facettengelenksarthrose ist eine einmalige diagnostische Blockade notwendig. Wenn diese erfolgreich ist und die Rückenschmerzen durch die Spritzenbehandlung zumindest kurze Zeit unterbunden oder reduziert werden macht die MRgFUS-Therapie Sinn.

In unserem Zentrum wurden bisher mehr als 250 Patienten mit MRgFUS an einer symptomatischen Facettengelenksarthrose behandelt. Für die Behandlung ist nur eine einzige Therapiesitzung nötig, auch wenn mehrere Facettengelenke behandelt werden müssen. Kehren die Schmerzen nach einigen Monaten zurück, so kann die MRgFUS-Behandlung problemlos wiederholt werden.

 

Facettensyndrom vorbeugen: Diese Übungen helfen


Folgende Übungen haben sich bewährt, um einem Facettensyndrom vorzubeugen oder bereits bestehende Schmerzen abzumildern. Wir empfehlen Ihnen allerdings, diese Übungen ausschließlich in Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt durchzuführen.

  • Der Flieger: Begeben Sie sich in den Vierfüßlerstand – gehen Sie dazu auf die Knie. Stellen Sie Ihre Knie hüftbreit unter Ihr Becken und die Hände schulterbreit unter Ihre Schultern. Strecken Sie nun den rechten Arm geradeaus, das linke Bein nach hinten. Spannen Sie Ihren Bauch an – aber achten Sie darauf, kein Hohlkreuz zu bilden. Halten Sie diese Position nun einige Sekunden. Wechseln Sie anschließend zum linken Arm und rechten Bein und halten diese Position ebenfalls. Wiederholen Sie den Positionswechsel mehrfach.
     
  • Seitlicher Armstand: Legen Sie sich auf die Seite und stützen Sie sich dabei auf Ihrem Unterarm ab. Die Beine sind durchgestreckt. Den anderen Arm strecken Sie im 90°-Winkel zu Ihrem Körper geradeaus in die Luft. Heben Sie nun das Becken an, so dass der Körper von den Fersen bis zum Kopf eine Linie in einem etwa 30 Grad-Winkel zum Boden bildet. Heben Sie nun das obenliegende Bein etwas an und halten Sie diese Position einige Sekunden. Wechseln Sie anschließend auf die andere Seite und wiederholen Sie die Übung.
     
  • Superman/Superwoman: Sie liegen flach auf dem Bauch. Strecken Sie dabei Arme nach vorn über den Kopf und die Beine nach hinten. Heben Sie nun gleichzeitig Arme und Beine etwas an – aber nicht zu weit. Der nötige Bewegungsradius ist nur sehr gering. Halten Sie nun diese Position einige Sekunden. Senken Sie Arme und Beine langsam wieder ab. Wiederholen Sie diese Übung einige Male.

Die schonende und nicht-invasive Behandlung von Facettengelenksarthrose (PDF) | 177,26 KB

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